Zum 60. ASV-Geburtstag ein außergewöhnliches Geschenk des ASV-Gründungsvaters Hermann von Gernler

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Es war schon ein bewegender Moment, als ASV-Gründungsvater Hermann von Gernler dem fünften und derzeitigen Vorsitzenden an der Spitze des Fußballclubs, Stephan Veigl, mit einem Geschenk der ungewöhnlichen Art anlässlich des 60-jährigen Gründungsjubiläums des Allgemeinen Sportvereins überraschte.

Am 18. September 1960 war der „Sportverein Haidenaab/Göppmannsbühl“ im Gasthaus Gebhardt in Göppmannsbühl offiziell gegründet worden und hat seitdem Fußballgeschichte geschrieben. Mitfeiern hätte der ASV in diesem Jahr gleichzeitig 45 Jahre Jugendabteilung und Reservemannschaft, 40 Jahre Fördererkreis und 35 Jahre Alte Herrenmannschaft. Stolz hätte man dabei auch zurückgeblickt auf 50 Jahre Gartenfest/Sportfest und 20 Jahre Bewirtung der Seniorenweihnacht der Gemeinde. Alle Planungen für ein großartiges Programm im Jubiläumsjahr waren abgeschlossen. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Den Auftakt ins Jubiläumsjahr machte ein Treffen der besonderen Art. Denn am Sontag, 9. Februar, hatte Vorsitzender Stephan Veigl zusammen mit seinem Stellvertreter Daniel Veigl namens der Vorstandschaft die Grand Seigneurs der Vereinsgeschichte und die Stützen des Vereins, die drei ASV-Ehrenvorsitzenden Hermann von Gernler (86), Heinz Kettel (76) und Paul Veigl (65) und die drei ASV-Ehrenmitglieder Werner Veigl (73), Heribert Veigl (68) und Wolfgang Veigl (56) in die Gaststätte Veigl eingeladen. „Wir wissen was wir euch zu verdanken haben. Ohne Euch würde es uns, unseren Erfolg und all´ unsere schönen Erinnerungen nicht geben“, sagte seinerzeit Veigl bei seiner Begrüßung an die Adresse seiner Gäste. Für die Vereinsführung war es ein besonderes Anliegen, mit dem Sextett den Einstieg ins Jubiläumsjahr zu nehmen und ihnen als äußeres Zeichen die ersten eigens kreierten Jubiläums-T-Shirts zu überreichen. Sie symbolisierten die unverbrüchliche Einheit der ASV-Familie, ihren Zusammenhalt und ihre Kameradschaft.

Die große ASV-Familie kann 2020 auf 60 Jahre Erfolgsgeschichte zurückblicken. Zum Auftakt kam es Anfang Februar zu einem historischen Treffen der Grand Seigneurs und Leistungsträger der Vereinsgeschichte: die drei ASV-Ehrenvorsitzenden und die drei ASV-Ehrenmitglieder Heinz Kettel, Heribert Veigl, Paul Veigl, Werner Veigl, Hermann von Gernler und Wolfgang Veigl (von links) mit den derzeitigem ASV-Vorsitzenden Stephan Veigl (dritter von rechts) und seinem Stellvertreter Daniel Veigl (rechts).
Ein Geschenk nicht nur mit Symbolcharakter: Zum 60. Geburtstag des ASV Haidenaab-Göppmannsbühl überreichte ASV-Gründungsvater Hermann von Gernler (links) seine über 120 Jahre alte und frisch restaurierte „Madonna“ des Berliner Historienmalers Paul Kießling an Vorsitzenden Stephan Veigl.

Gebührend gefeiert werden sollte dann im weiteren Jubiläumsjahr 2020 mit einer Event-Trias. Beim ersten Event, der Bayern 1 Party mit DJ Jürgen („Kauli“) Kaul, am 22. Februar, in der Sportarena Speichersdorf konnte man sich noch über riesige Resonanz und einen überragenden ersten Erfolg freuen.

Mit einer Event-Trias, bespickt mit jeder Menge Highlights und Überraschungen, sollte das 60-jährige ASV-Jubiläum gefeiert werden. Am 22. Februar konnte der ASV zum Auftakt noch mit über 1000 Gästen eine grandiose Bayern 1 Disco Party feiern, bevor wenige Tage später Corona alle weiteren Jubiläumsfeierlichkeiten bis heute vereitelte.

Wenige Tage später machte dann Corona allen weiteren Jubiläumsfeierlichkeiten, allen Planungen und Vorbereitungen einen Strich durch die Rechnung. Der zweite Baustein der Jubiläumsfeierlichkeiten, das dreitägige Sportfest im Juli fiel dem ersten Corona-Lock-down zum Opfer. Am 24. Juli hätte das Festwochenende mit der Balla-Balla-Party mit DJ Peter el Parlante auf dem ASV-Gelände seinen Auftakt genommen. Beim Fußballspielbetrieb am Samstag und Sonntag wären Turniere aller Nachwuchsmannschaften, der Altherrenmannschaft sowie Liga-Spiele im Fokus gestanden. Höhepunkt des Wochenendes wäre das Ehemaligen-Treffen mit einem Wiedersehen aller Mitglieder, Trainer, Spieler und Funktionäre, und der Unterhaltungsabend am Samstag, 25. Juli, mit dem Stimmungs-Quartett Lederhosen-Lackl gewesen. Schlussbaustein der Jubiläumstrias wäre der 60. Jahrestag, der Samstag, 19. September, gewesen. Neben den Ligaspielen der ersten und zweiten Mannschaft war ab 18 Uhr ein Festabend geplant. Dann hätte man im Kreise von Ehrengästen des Bayerischen Fußballverbandes, der Politik und Wirtschaft in einem Festzelt Rückschau gehalten und langjährige und verdiente Mitglieder geehrt. In einem Special, einer Talk-Runde, hätten aus jedem der sechs Jahrzehnte Mitglieder, Aktivposten und Spieler aus dem Nähkästchen geplaudert, wie es früher war. Zwei bis drei ASV-Größen hätten jeweils aus den 60er, 70er und 80er Jahren Anekdoten erzählt. Eine Bild- und Videopräsentation auf Leinwand war bereits fertig gestellt, die die fußballerischen und geselligen Highlights von den 60er Jahren bis heute hätte Revue passieren lassen. Heimatforscher Werner Veigl hat darüber hinaus eine Chronik der sportlichen und geselligen Meilensteine in der 60-jährigen Vereinsgeschichte erstellt. Sie umfasst 52 Ordner, zwölf DVD´s, fünf CD´s, vier Disketten und zwei Kartonschachteln mit Baurechnungen und Kassenberichten sowie ein Findbuch zur 60-jährigen Geschichte des ASV Haidenaab-Göppmannsbühl.

Der Ehrenvorsitzende von Gernler gilt als Vater des ASV. Fußball war Teil seiner großen Leidenschaft Sport. 1952 hatte der damals 18-jährige von Gernler die Chance bekommen, beim TSV Kirchenlaibach richtig Fußball zu spielen. „Weil ich so schnell war, durfte ich als Rechtsaußen mit solchen Größen wie Walter Matzke, Willi Freund, Georg Baier und Girgl Gistl zusammenspielen“, erinnert er sich. Auch in der damaligen Sondergruppe Weiden zählte von Gernler, so berichten Weggefährten, als Spielertrainer und Rechtsaußen zu den fähigsten Stürmern. Als Gymnasiast in München kickte er später bei der SpVgg Starnberg in der Bezirksliga. Zwischendurch hat er aber immer wieder zu Hause mit seinen Kumpels in der Wanzengass gekickt. Der Wunsch nach einem eigenen Verein hat den Göppmannsbühler immer umgetrieben, erzählt er. Als er im Bayreuther Pelzhändler Hans Raum, der bei Göppmannsbühl ein Fischgewässer betrieb, einen Mitstreiter für seine Idee fand, seien die Planungen konkret geworden. Eine im Juli 1960 abgehaltene Versammlung war auf großes Interesse gestoßen. Mithilfe des Vorsitzenden des TSV Kirchenlaibach, Adolf Baier, habe man in vielen Zusammenkünften die für eine Vereinsgründung notwendigen Statuten, Vorschriften und Voraussetzungen gewälzt, ehe es am 18. September 1960 so weit war: im Gasthaus Veigl wurde der „Sportverein Haidenaab/Göppmannsbühl“ aus der Taufe gehoben. Mit dabei waren auch der damalige Bürgermeister Michael Hautmann mit den Gemeinderäten Busch, Merkel, Bayerlein und Thurn sowie der Oberlehrer Karls aus Haidenaab. Zum ersten Vorsitzenden wurde Andreas Dötterl, Göppmannsbühl, zum zweiten Vorsitzenden Josef Bayer, Göppmannsbühl (beide bereits verstorben) gewählt. Als Spielfeld diente die Wiese des Landwirts Josef Bayer in Göppmannsbühl, als Vereinslokal die Gaststätte Gebhardt in Göppmannsbühl.

Die Ironie des Schicksals wollte es, dass ausgerechnet der Initiator Hermann von Gernler an dieser Versammlung nicht selbst teilnehmen konnte, weil er sich mitten im Prüfungsstress für seinen Diplomabschluss an der Sportakademie befand. 1970 führte das Gründungsmitglied dann auch selbst als Vorsitzender den Verein für fünf Jahre. In diesen Jahren baute man mit viel Eigenleistung in der ehemaligen Kiesgrube in Haidenaab einen Sportplatz. Es war der Anfang einer kontinuierlichen Aufwärtsentwicklung des Fußballsports beim ASV Haidenaab-Göppmannsbühl, die 2004 im Aufstieg der Herrenmannschaft in die Bezirksliga gipfelte. Dank glänzender Nachwuchsarbeit ist der ASV heute wieder auf dem besten Weg, an die damaligen großen Zeiten anzuknüpfen. „Wir wissen unser Baby in guten Händen“, sagte von Gernler heute über die aktuelle Führungsriege um Vorsitzenden Stephan Veigl. Zusammen mit Heinz Kettel und Karl Bayer gehört von Gernler heute zu den drei noch lebenden Gründungsmitgliedern. Über all die Jahrzehnte war von Gernler, der seinen Lebensabend mit Gattin Gertraud in Bayreuth verbringt, seinem Heimatverein treu geblieben und auf das Innigste verbunden. Diese Verbundenheit und Dankbarkeit, Ehrerbietung und Hochschätzung für den Verein fand nun tiefsten Ausdruck, indem der 86-Jährige seinem ASV zum Jubiläum ein besonders außergewöhnliches Geschenk machte. Es handelt sich um das Gemälde „Madonna“ des Historienmalers Paul Kießling (1836 bis 1919). Dieser war Ehrenmitglied der Kunstakademie Dresden. Das Gemälde ist eine Chromlithographie des Originals und dadurch diesem sehr ähnlich und hochwertig. Es entstand zwischen 1892 und 1898 durch das Königliche Hof-Kunst-Institut Otto Troitzsch in Berlin. Das 120 auf 95 Zentimeter große Gemälde in Goldrahmen ist von Kießling eigenhändig signiert. Wie sich Hermann von Gernler erinnert, befand sich die Madonna als Schutzpatronin seit 1895 im Besitz der Familie von Gernler auf dem ehemaligen Rittergut Schloss Göppmannsbühl. Mit der Veräußerung des Schlosses und von Gernlers Umzug 1960 nach Brüderes und 1990 nach Bayreuth zog auch das Gemälde mit um in die neuen privaten Räumlichkeiten. Es wurde von der Böker Kunst Galerie in Bayreuth vollständig restauriert.

Im Gegenzug nutzte Vorsitzender Stephan Veigl die Gelegenheit, das ASV-Ehrenmitglied für 60 Jahre Mitgliedschaft mit Urkunde und ASV-Ehrennadel in Gold sowie ein Geschenk und einen Gutschein zu ehren. Vom Bayerischen Fußballverband gab es zudem eine Ehrenurkunde und eine Medaille in Gold.

Ein Geschenk nicht nur mit Symbolcharakter: Zum 60. Geburtstag des ASV Haidenaab-Göppmannsbühl überreichte ASV-Gründungsvater Hermann von Gernler (links) seine über 120 Jahre alte und frisch restaurierte „Madonna“ des Berliner Historienmalers Paul Kießling an Vorsitzenden Stephan Veigl.

Als jüngstes von drei Kindern auf dem elterlichen Gutshof Schloss Göppmannsbühl von Baron von Gernler aufgewachsen führte den Jubilar die schulische und berufliche Arbeit in verschiedene Städte Deutschlands und Bayerns. 1960 trat er mit Gattin Gertraud aus Brüderes in den Hafen der Ehe. Im Zug von Bayreuth nach Kirchenlaibach hatten sie sich vier Jahre vorher kennengelernt. Nach seinem Studium in München konnte er als Fachoberlehrer für Sport neben Technischem Werken und Verkehrserziehung Fußball zu seinem Hobby machen.

Text/Bild: Wolfgang Hübner (wh)